Tagesklinik für kognitive Neurologie
 Universitätsmedizin Leipzig

Orthoptik

Arbeitsgebiete

Die Arbeitsgruppe Orthoptik beschäftigt sich mit der Diagnostik und Therapie visueller Wahrnehmungsstörungen nach erworbener Hirnschädigung. Der Anteil der Patienten mit zentralen visuellen Wahrnehmungsstörungen und Störungen der Okulomotorik in neurorehabilitativen Einrichtungen liegt bei 20% bis 40%.

Die am häufigsten auftretende cerebrale Sehstörung ist mit über 70% der Gesichtsfeldausfall, oft ein Viertel (homonyme Quadrantenanopsie) oder die Hälfte (homonyme Hemianopsie) der Sehfelder beider Augen betreffend. Gesichtsfelddefekte führen bei etwa 70% der Patienten zu einer Beeinträchtigung der visuellen Suche und Orientierung in der Umgebung (visuelle Explorationsstörung) und der Lesefähigkeit (hemianope Lesestörung). Begleitend, aber auch völlig isoliert kann die Vernachlässigung einer Körper- und Raumhälfte (Hemineglect) auftreten. Diese betrifft nicht ausschließlich das Sehen, sondern oft auch Motorik und Sensibilität (siehe Physiotherapie) und kann ebenfalls die Orientierung und das Lesen erschweren.

Vor allem nach Schädel-Hirn-Traumen treten Störungen der Augenbeweglichkeit (Okulomotorik) aufgrund einer Augenmuskellähmung oder einer gestörten beidäugigen Zusammenarbeit (zentrale Fusionsstörung) auf. Die Folge können Doppelt- und Verschwommensehen sein. Häufig sind auch schnelle Augenbewegungen in ihrer Treffsicherheit und Geschwindigkeit eingeschränkt. Langsame Augenfolgebewegungen können dagegen in ihrer Fähigkeit reduziert sein, dem Blickziel zu folgen (supranukleäre Augenbewegungsstörung).

In enger Zusammenarbeit mit Ergo- und Physiotherapeuten werden Probleme der Verarbeitung von Raumwahrnehmung untersucht. In die Diagnostik von seltener auftretenden Einbußen der Gesichter- und Gestaltwahrnehmung (Prosop- und Objektagnosie) werden die Fachbereiche Logopädie und Neuropsychologie mit eingebunden.

Arbeitsschwerpunkte

  • Diagnostik von Gesichtsfelddefekten
  • Diagnostik und Therapie visueller Explorations- und Lesestörungen
  • Diagnostik und Therapie von Augenmuskellähmungen und anderen Störungen der beidäugigen Zusammenarbeit
  • Diagnostik und Therapie verschiedener Störungen der Raumwahrnehmung (Hemineglect, räumlich-perzeptive, räumlich-konstruktive und räumlich-kognitive Wahrnehmungsleistungen)

Allgemeines Vorgehen

Zu Beginn eines jeden Therapieaufenthaltes wird eine differenzierte Standarddiagnostik der basalen visuellen Wahrnehmungsleistungen wie Sehschärfe, Gesichtsfeld, Kontrastwahrnehmung, Farbensehen und der Okulomotorik durchgeführt. Je nach Krankheitsbild wird die orthoptische Befunderhebung um Untersuchungen der visuellen Exploration, der Lesefähigkeit, der visuell-räumlichen Wahrnehmung und der Objekt- und Gesichtererkennung erweitert.

Therapieziele und Inhalte werden individuell für und mit jedem Patienten gemeinsam erarbeitet und auf die Therapien in den anderen Fachbereichen abgestimmt. Ein Hauptschwerpunkt der Therapie visueller Wahrnehmungsstörungen beinhaltet das Einüben von Strategien zur Kompensation von Gesichtsfelddefekten und das Training schneller Blickzielbewegungen großer Reichweite. Zur Verfügung stehen Therapiematerialien der Entwicklungsgruppe klinische Neuropsychologie des Städtischen Krankenhauses München-Bogenhausen, das Reha-Sehtraining-Konzept nach C. Paul und computergestützte Explorationsübungen. Auch das Lesetraining erfolgt teilweise computergestützt. Zudem finden Texte verschiedener Schwierigkeitsgrade Verwendung. Therapiebegleitend kommen alltagsrelevante Materialien wie Bücher mit verschiedenen Schriftgrößen und Zeitschriften zum Einsatz.

Bei Bedarf wird ein Orientierungstraining im Straßenverkehr oder in öffentlichen Einrichtungen durchgeführt.

Einen großen Teil der Therapie nimmt die Fusionsschulung an Geräten wie Stereoskop, Fusionstrainer nach Keller und Synoptophor ein. Die Orthoptistinnen beraten bei der Anpassung und Beschaffung von Hilfsmitteln (Prismenbrillen, vergrößernden Sehhilfen).

Das Training visuell-räumlicher und räumlich-konstruktiver Wahrnehmungsleistungen wird in den Fachbereichen Orthoptik und Ergotherapie koordiniert.

 
Letzte Änderung: 07.07.2009, 16:03 Uhr
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